
Seit einiger Zeit berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen schon aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruijffs.
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Boh ey!
Bei Spitznamen lassen sich die Nachbarn nicht lumpen
Spreche ich Englisch, hören die Holländer, dass ich Deutscher bin. Anstelle von „Wesl-ii Sneijder“ oder „Wembl-ii Stadion“ sage ich Wesl-„ey“ und Wembl-„ey“, so wie in „Boh ey!“. Und schon habe ich den Spitznamen: „Wembleymeyer“. Könnte aber auch daran liegen, dass ich seit Tagen, auch vor der Klasse, von nichts anderem rede.
Das Finale zwischen dem BVB und den Bayern ist bereits das 9. Europapokalendspiel, das in der „Kirche des Fußballs“ (Pelé) stattfindet. Den Rekord für die meisten Finale hält aber immer noch das Feyenoord-Stadion: zehn Stück! Das vorerst letzte 2002: Ausgerechnet Feyenoord gegen ausgerechnet BVB. Das Stadion hat auch einen Kosenamen, jeder nennt es nur „die Wanne“, kürzlich zum schönsten Spitznamen der Stadt gekürt. Rotterdamer taufen fast alles um, mein persönlicher Favorit ist ja das Santa Claus-Standbild, das aufgrund der zweideutigen Form des Weihnachtsbaums nur „Kabouter Buttplug“ (Po-Stöpsel-Kobold) genannt wird.

Ein Postöpselkobold ist auch Stefan Postma [Folge 17]. Seit seinem sehr persönlichen „Dildogate“ (er)trägt der Torwart den Spottnamen „Kinky Keeper“. Die meisten Beinamen für Fußballer sind aber eher jugendfrei: der pfeilschnelle Overmars ist „Miep Miep“, nach der Zeichentrickfigur „Road Runner“. Bergkamp ist in England wegen seiner Flugangst der „Non Flying Dutchman“. Gullit wird in Mailand zur schwarzen Tulpe: „Il Tulipano Nero“ und Koeman in Barcelona zum „Schneeflöckchen“, weil er so auffiel zwischen den dunklen Spaniern, und weil es einen Albinogorilla im Zoo von Barcelona gab, der so hieß.
Für Wembley ist zu hoffen, dass Arjen „Mann aus Glas“ Robben nicht wieder einen Elfmeter schießt. Die London-Korrespondentin Lia van Bekhoven spottet schon nach dem Finale 2012: „Der ganze Platz voller Deutscher, und dann lässt man einen Holländer den Elfer schießen!“ In jener Saison erwirbt sich Arjen auch den Namen „Alleinikov“. Hätte er den Strafstoß in der 95. vielleicht zusammen mit einem Mitspieler ausführen sollen? Was zunächst wie ein schlechter Scherz klingt hat es schon gegeben: Johan Cruijff schießt 1982 im Heimspiel gegen Helmond den Elfer nicht direkt aufs Tor, sondern spielt einen Doppelpass mit Jesper Olsen. Müßig zu erwähnen, dass der dreiste Trick gelingt. Keine Spitznamen für Ajax-Spieler, sie werden heilig gesprochen. Sie sind „Göttersöhne“ und Cruijff ist „der Erlöser“.
Götzinho sollte auch keinen Elfer schießen, es droht ein Matthäus-Szenario und die Schmähung als „Judas“. Lothar wird in Holland „die Nähmaschine“ genannt. „Naaien“ bedeutet auch „ficken“ und „hereinlegen“, weil bei seinen Gegenspielern bei einer Berührung häufig eine Karte hängenblieb. Verfickt und zugenäht!
