
Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre hallte ein Schlachtruf durch die Stadien der Republik. Egal was dieser ungelenkig wirkende Verteidiger aus Dortmund auch anstellte, die gegnerischen Fans waren sich in ihrem Urteil über den blonden Hünen bereits einig. Lautstark skandierten sie: »Schulz, du Sau!« Doch wer war dieser Schulz überhaupt, und was hatte er Schlimmes getan?
Erst spät war der gebürtige Friese zum Profi geworden. 26 Jahre war Michael Schulz bereits alt, als er in Kaiserslautern sein Debüt in der Bundesliga feierte. Nach zwei eher beschaulicheren Spielzeiten auf dem Betzenberg wechselte er 1989 zur Borussia nach Dortmund. Und dort nahm das Verhängnis seinen Lauf.
Am 16. September fühlte er sich in einer Partie gegen den 1. FC Köln vom Schiedsrichtergespann um Manfred Amerell wieder einmal benachteiligt. Und so marschierte er nach dem Spiel schnurstracks zum Linienrichter Gerhard Paulus, stellte sich mit beiden Stollenschuhen und vollem Gewicht auf einen von Paulus’ Füßen und meinte trocken: »So, und jetzt haue ich dir einen in die Schnauze!« Obwohl es dazu nicht mehr kam, sperrte man Schulz für acht Wochen.
Eine Zeit lang wurde es danach etwas ruhiger um den späteren Nationalspieler, doch bereits am zweiten Spieltag der Saison 1990/91 sorgte Michael Schulz für einen weiteren denkwürdigen Eklat. In der 28. Minute der Partie seines BVB beim KSC schickte Schiedsrichter Werner Föckler – natürlich wieder einmal völlig zu Unrecht – den Dortmunder mit Gelb-Rot vom Platz. Und als dieser gerade wutschnaubend den Rasen im Karlsruher Wildparkstadion verlassen wollte, sah er am Spielfeldrand einen Eimer stehen, der – so Schulz – »einfach umgetreten werden musste«. Der Fotograf Bodo Goeke schoss damals das »Sportfoto des Jahres« und Trainer Horst Köppel machte den Scheibenwischer. Ob er dem Schiri, Schulz oder beiden galt – man wird es nie wirklich erfahren.
Ein Freund schenkte dem beinharten Verteidiger anschließend das Buch »Stressbewältigung durch innere Entspannung« (ein Klassiker für Wirtschaftsmanager), doch schon einige Wochen später flog Schulz in Nürnberg wieder vom Platz. Joachim Philipkowski vom 1. FCN kannte nach dem Spiel keine Gnade: »Der Schulz tritt die ganze Bundesliga kaputt; da muss sich der DFB etwas einfallen lassen.« Doch nicht alle Nürnberger reagierten so zimperlich. Schulz’ Gegenspieler präsentierte sich als echter Kerl, als er tapfer argumentierte: »Um Gottes Willen, so schlimm ist der Schulz auch wieder nicht. Gut, er hat mir auf den Oberschenkel getreten und schon am Anfang gefragt: ›Hast du was genommen?‹« Aber das sei doch nicht weiter der Rede wert, meinte Uwe Wolf nach Spielschluss ziemlich entspannt und bewahrte den Dortmunder so vor Schlimmerem.
Eine Leseprobe aus dem Buch »Halbzeitpause. Die Fußball-Klolektüre« von Ben Redelings. Erscheinungstermin: 20. September 2010